Windkraftanlagen im Landschaftsbild

Die Windenergie ist eine der vielversprechendsten alternativen Energieformen in Deutschland, doch auch eine mit vielen Kontroversen. Insbesondere die Onshore-Windkraft wird oft kritisiert. Sie zerstöre die Schönheit der deutschen Landschaften und beeinträchtige die sie umgebenden Ökosysteme.

Befürworter der Windkraft sehen in dieser Haltung lediglich als eine Art romantische Schwärmerei auf schöne Landschaften. Doch wie ernst sollte diese Kritik wirklich genommen werden? Zerstören Windkraftanlagen auf lange Sicht das Landschaftsbild oder ist es nur eine Frage der Gewohnheit, bis auch diese Anlagen akzeptiert werden?

Zerstörung der letzten nicht urbanisierten Lebensräume in Deutschland

Mit der Frage nach der berechtigten Kritik an Windkraftanlagen beschäftigte sich zuletzt auch ein Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). Thematisiert wurde die Haltung Enoch zu Guttenbergs, seines Zeichens fränkischer Freiherr, Dirigent und Gegner der Windkraft.

Seine Kritik an der Windenergie könnte man im ersten Moment durchaus belächeln, sprach er doch vom „Blutstorm“ der Windkraftanlagen, welche Vögel und Fledermäuse mit ihren großen Rotoren bedrohen. Doch der pathetischen Ausdrucksweise liegen durchaus realistische Bedenken zu Grunde.

Zu Guttenberg befürchtet, dass Windenergieanlagen dazu führen könnten, dass auch die letzten nicht urbanisierten Lebensräume in Deutschland eben dieser zum Opfer fallen könnten. Immerhin werden Windenergieanlagen gerade dort errichtet, wo es noch viele Freiflächen gibt, weshalb diese Ansicht durchaus Berechtigung hat.

Preis des Landschaftsverlustes

Zu Guttenbergs Argumentation nach, ist der Preis des Verlustes von Landschaften und Ökosystemen nicht durch den ökonomischen Nutzen, der mit Windenergieanlagen einhergeht, aufzuwiegen. Im Artikel der FAZ wird deutlich, dass Guttenberg durchaus statistisch fundiert argumentiert, allerdings auch gern mit vielen Metaphern für emotionale Sprachbilder sorgt.

Es stellt sich letztlich die Frage, wie sehr die Argumente des Freiherrn Beachtung finden sollten. Er meint, dass die Energiewende die Natur zu wenig berücksichtige und fordert radikale Maßnahmen: Abschaffung des EEG, welches er für eine „gigantische Verschleuderungs- und Geldumverteilungsmaschine“ hält. Mit seinen Reden und der vehementen Argumentation lockt Guttenberg zumeist viele Zuhörer an und spricht gerade Naturfreunden und Gegnern der Energiewende, im Speziellen der Windkraft, aus dem Herzen.

Tagebauten und Kohlekraftwerke versus Windenergieanlagen

Was er, wie auch viele andere Kritiker gerne verschweigen, sind die Alternativen, die bleiben, wenn man die Windkraft zugunsten von Naturschönheit und -schutz aufgibt. Was bleibt übrig um Deutschlands Energiebedarf zu decken? Pragmatisch gesehen: Nicht vieles, was besser wäre.

Kohlekraftwerke und die dazugehörigen Tagebauten zerstören die Landschaft in nicht weniger hohem Maße und sorgen zudem für hohe Schadstoffemissionen, was dem Naturschutz nicht entgegenkommt. Die Atomenergie braucht Endlager und gefährdet dadurch die Ökosysteme in einem Ausmaß, welches um ein vielfaches höher einzuschätzen ist, als die Gefährdung durch den Rotor einer Windkraftanlage.

Die Photovoltaik ist allein nicht in der Lage Deutschlands Energiebedarf zu decken und wird zudem auch regelmäßig kritisiert, zuletzt durch Siemens-Chef Joe Kaeser. Was bleibt also übrig? Die Erkenntnis, dass es momentan noch keine optimale Lösung für die Energieversorgung gibt. Man muss abwägen, welche Lösungen die wenigsten Schäden verursachen und auch kompromissbereit sein.

Mitunter muss man es schlicht und einfach ertragen, dass einige Landschaften im Jahr 2030 nicht mehr wie um 1950 aussehen werden. Hier sollte sich ein jeder Kritiker die Frage stellen, was einem mehr Wert ist: Schöne Landschaften und natürliche Ökosysteme oder eine sichere, saubere, flächendeckende und günstige Energieversorgung?

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