Was sind eigentlich Kapazitätsmechanismen?

Die Debatte über einen versorgungssicheren Strommarkt, ob in Deutschland oder auch ganz Europa, führt immer wieder zu unterschiedlichen Ansichten. Eine aktuell diskutierte Vorgehensweise um eine mögliche Unterdeckung der Stromnachfrage entgegenzuwirken, sind sogenannte Kapazitätsmechanismen.

Einfach ausgedrückt handelt es sich dabei um Marktmechanismen, ähnlich den Instrumenten des EEG, welche künstlich eine Nachfrage nach gesicherter Leistung schaffen welche ansonsten nicht entstehen würde. Entsprechend würden Kapazitätsmechanismen einen Markt für Versorgungssicherheit schaffen.

Die Notwendigkeit lässt sich ökonomisch dadurch begründen, dass der Markt selbst nicht über ausreichend Informationen zur Zahlungsbereitschaft seiner Teilnehmer verfügt. Daraus folgt, dass der Markt eine Unterdeckung mit Nachfrage nicht effizient genug rationieren kann. Daher muss es anderweitige Mechanismen geben die dies gewährleisten.

Anforderungen an Kapazitätsmechanismen

Die Mechanismen sollten strikt vom eigentlichen Energiemarkt getrennt werden. So würde ein kurzfristiger Eingriff in die Verteilung der Strommengen zu Ineffizienzen führen, worauf auch die European Energy Exchange (EEX), also die Strombörse selbst hinweist.

Zudem sollte man laut Experten eine Entkopplung von anderen Zielen dringlich befolgen. So sollte ein derartiger Mechanismus lediglich als versorgungssicherndes Instrument dienen und nicht andere politisch gewollte Ziel integrieren. Etwa die Marktintegration erneuerbarer Energien, die Reduktion von Kohlenstoffdioxid-Emissionen oder die Förderung flexibler Technologien. Weiterhin empfiehlt die EEX einen europaweit einheitlichen Mechanismus um einen ausreichenden Reaktions- und Handlungsspielraum, auch grenzübergreifend, zu gewährleisten.

Bisher diskutierte Modelle

In der aktuellen Diskussion werden vier unterschiedliche Umsetzungsmöglichkeiten modelliert. Das erste Modell nennt sich strategische Reserve und beschreibt eine kurzfristige Übergangslösung um Netzengpässe beheben zu können. Zudem gibt es sogenannte zentral selektive Mechanismen, welche auch Sekundärziele verfolgen. Wie bereits erwähnt können diese allerdings zu Ineffizienzen führen.

Ein weiteres Modell nennt sich zentral umfassender Mechanismus und ist eher langfristig strukturiert. Aufgrund seiner zentral festgelegten Parameter ist er allerdings auch anfällig für Ineffizienzen. Im Moment wird der vierte Mechanismus als am sinnvollsten angesehen. Dieser dezentrale Kapazitätsmarkt ist eine Mischung aus Kraftwerkstechnologien, Speichern und nachfrageseitigen Maßnahmen.

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