Versorgungssicherheit durch grenzüberschreitende Zusammenarbeit?

Die Gewährleistung der Versorgungssicherheit, vor allem im Stromsektor, ist eines der wesentlichen Themen der Energiewende. Kritiker führen dabei gern an, dass durch die fluktuierende Energiebereitstellung von Solar- und Windkraft, welche sehr stark von natürlichen Bedingungen abhängig ist, keine dauerhafte Versorgungssicherheit gewährleistet werden kann. Es ist durchaus richtig, dass erneuerbare Energieträger höhere Anforderungen an die Gewährleistung der Versorgungssicherheit stellen, da sie sich, anders als die konventionellen Energien, nicht an der Nachfrage orientieren. So war es in der Vergangenheit ein relativ einfaches Verfahren, die Lastgänge der konventionellen Kraftwerke an die Nachfrage des Versorgungsgebiets anzupassen. Durch ein gezieltes Lastmanagement und einen optimalen Mix aus verschiedenen Energieträgern konnte diese Bereitstellung sehr gut gesteuert werden. Bei erneuerbaren Energien ist dies in dieser Form nicht möglich, weshalb andere Wege zur Stabilisierung des Systems gefunden werden müssen. Neben einem intelligenten Netzausbau und der Integration leistungsfähiger Speicher sprechen sich Experten auch für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit aus, allem voran das sogenannte „Pentalaterale Forum“.

Effizienz der Strommärkte ist stark vom Strommarktdesign abhängig

Auf Initiative des „Pentalateralen Forums“ – einer Kooperation der Länder Österreich, Belgien, Luxemburg, der Schweiz, den Niederlanden und Deutschland – hat der Think Tank „Agora Energiewende“ ein Impulspapier erarbeitet, welches eine potentielles Regelwerk für das Zusammenspiel der europäischen Energiemärkte vorstellt. Grundlage ist das verstärkte Interesse des „Pentalateralen Forums“ an der europäischen Versorgungssicherheit im Zuge eines einheitlichen und optimierten Regelwerkes für die europäischen Strommärkte. Demnach liegt ein wesentlicher Hebel für die effiziente Gewährleistung der Versorgungssicherheit in der Zusammenarbeit benachbarter Länder. Das Impulspapier von „Agora Energiewende“ geht vor allem auf die Themen Day-Ahead und Intraday-Märkte, Märkte für Regelenergie und Kapazitätsmärkte ein. Alle vier Marktformen sind wesentliche Bestandteile eines funktionierenden und ganzheitlichen Strommarktes, welcher Versorgungssicherheit gewährleisten kann.

Vier wesentliche Erkenntnisse des Impulspapiers

Die Day-Ahead und Intraday Märkte sind Teilmärkte des sogenannten „Spotmarktes“, also des Großhandelsmarktes für Strom beziehungsweise Energie. Der Day-Ahead Markt beschäftigt sich, so wie es der Name bereits vermuten lässt, mit dem Handel der Strommengen für den kommenden Tag. Über Intraday Märkte werden kurzfristige Geschäfte nach Beendigung des Day-Ahead-Handels erledigt. Die European Energy Exchange (EEX) ermöglicht Intraday Geschäfte noch bis zu 45 Minuten vor der eigentlichen Lieferung. Am Regelenergiemarkt werden Reservekapazitäten gehandelt, um auch auf minuten- und teils sogar sekundenweise Lastausgleiche flexibel reagieren zu können. Neu ist die Idee der Kapazitätsmärkte. Ziel ist es, über die Back-Up Märkte Kapazitäten fossiler Energieträger zur Verfügung zu stellen, welche zusätzlich zu den erneuerbaren Energien, in den entsprechenden Ausgleichsfällen, in das Netz gespeist werden können. Eine gute Ausgestaltung dieser Märkte und dies auch grenzüberschreitend kann zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit enorm beitrage. Das Impulspapier von „Agora Energiewende“ enthält vier wesentliche Erkenntnisse. Die erste Erkenntnis ist, dass die Kapazitätsmärkte durch einen guten Mix aus verschiedenen fossilen Ressourcen gekennzeichnet sein sollten. Weiterhin sollte die Güte der Versorgungssicherheit grenzüberschreitend beurteilt werden, da dadurch sowohl Flexibilisierungsbedarf und Kosten sinken. Zudem sollte der Energy-only-Market (EOM) reformiert werden. Abschließend, so das Impulspapier, muss ein wesentliches Augenmerk auf die technischen Fähigkeiten der Kapazitäten gelegt werden. Neben einem sinnvollen Netzausbau und der optimalen Integration von Speichern lässt sich somit über die kluge Ausgestaltung der Märkte für eine flächendeckende Versorgungssicherheit in einer Regenerativwirtschaft sorgen.

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