Versorgungskrise: Dutzenden konventionellen Kraftwerken droht die Stilllegung

Die Energiewende ist im vollen Zuge und hinterlässt immer deutlichere Spuren. Laut Berichten der „Süddeutschen Zeitung“ prüfen momentan diverse Energiekonzerne und Stadtwerke die Wirtschaftlichkeit ihrer Kraftwerke. Dem Bericht zufolge geht ein namentlich nicht genannter Vorstandsvorsitzender eines Versorgers davon aus, dass bis zu 20 Prozent der momentanen 90.000 Megawatt fossiler und atomarer Kapazität für den Strommarkt, vom Netz gehen könnten. Grund für den Wirtschaftlichkeitseinbruch der Kraftwerke ist der enorme Zubau von Ökostrom. So lässt das wachsende Stromangebot den Preis an der Europäischen Strombörse EEX in Leipzig stark fallen.

Ist die Versorgungssicherheit gefährdet?

Neben den sinkenden Börsenpreisen ist noch eine weitere Wirkung des Ökostromausbaus für konventionelle Kraftwerke problematisch. Denn durch den, mittels EEG geregelten, Einspeisevorrang erneuerbarer Energieträger sind konventionelle Kraftwerke zunehmend seltener am Netz. So ist vor allem der Betrieb teurerer Kraftwerke kaum noch rentabel. Resultat dieser Wirkungsbeziehung ist, dass die großen Versorger zunehmend in eine Wirtschaftlichkeitskrise geraten von der auch die eigene Belegschaft bedroht wird. Beispielweise hat Vattenfall jüngst einen Einstellungsstopp aufgrund milliardenschwerer Abschreibungen verhängen müssen. Neben diesen betriebswirtschaftlichen Auswirkungen stellt sich auch die Frage nach den volkswirtschaftlichen Konsequenzen, beispielweise durch die Gefährdung der Versorgungssicherheit. Sollten aus Gründen der Wirtschaftlichkeit tatsächlich bis zu 20 Prozent der konventionellen Kraftwerke vom Netz gehen würde das die bundesdeutsche Versorgungssicherheit stark in Mitleidenschaft ziehen. Eine Abfederung durch den regenerativen Kraftwerkspark ist im Moment nicht gegeben.

Die Bundesregierung sieht keine Gefährdung

Laut eines Statements des Bundeswirtschaftsministeriums müssen sich die Bürger allerdings keine Sorgen um die Versorgungssicherheit machen. Auch wenn die Abschaltung von Kraftwerken grundlegend eine unternehmerische und keine staatliche Handlung darstellt, kann die Regierung im Ernstfall einige Anlagen gesetzlich am Netz halten. Auch wenn der Anteil erneuerbarer Energieträger am deutschen Strommix stetig steigt und mittlerweile gar den zweiten Rang einnimmt, darf nicht vernachlässigt werden das Kohle weiterhin auf Platz Eins steht. Entsprechend sollte die versorgungssichernde Wirkung einzelner konventioneller Kraftwerke auch für die Zukunft, vor allen in Zeiten der Systemtransformation, bestehen bleiben.

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