Steht BP mittlerweile für „Bad PR“?

Etwa drei Monate nach der verheerenden Explosion auf der Ölplattform Deep Horizon im Golf von Mexiko ist das Ausmaß der Kosten, die dadurch auf BP zukommen werden, immer noch nicht abzusehen – es ist durchaus wahrscheinlich, dass diese sogar in den dreistelligen Milliardenbereich gehen. Mindestens genauso verheerend wie der finanzielle Schaden dürfte allerdings der Imageschaden sein, der BP durch die Katastrophe entstanden ist und weiterhin entsteht. Seit Beginn des Unglücks zeigt sich das Krisenmanagement der PR-Abteilung komplett überfordert mit den ständigen Rückschlägen des Ölmultis im Kampf gegen die Ölpest – vor allem angesichts der fragwürdigen Methoden BP’s zur Bekämpfung des Ölteppichs, die unter anderem den großflächigen Einsatz von Chemikalien und das offene Verbrennen von Öl auf dem Ozean beinhalten.

Im Internet massiert sich die weltweite Kritik am Konzern. In unzähligen Facebook- und Twittergruppen wird zum Protest und zum Boykott von BP-Produkten aufgerufen. Auf Videoportalen wie Youtube wird oft auf besonders humoristische Art und Weise Kritik geübt, an der desaströsen Öffentlichkeitsarbeit und der Unfähigkeit, den Auswirkungen der Katastrophe Herr zu werden.

Vor wenigen Tagen machte das Unternehmen Negativschlagzeilen, als ein amerikanischer Blogger feststellte, dass eines der Fotos, das das Unternehmen im Internet verwendet, um seine Bemühungen bei der Bekämpfung der Ölpest zu demonstrieren, manipuliert war. Auf seiner Webseite sind die Stellen, die die Bildmanipulation erkennen lassen deutlich hervorgehoben, kurze Zeit später wurde eine ähnliche Nachbearbeitung auch bei einem zweiten Foto festgestellt. Das Unternehmen entschuldigte sich und schob die Verantwortung auf einen Mitarbeiter, der angeblich seine Photoshop-Talente demonstrieren wollte.

BP Chef Tony Haward selbst verschlimmbesserte die Situation regelmäßig mit immer wieder neuen verbalen Ausgleisungen. „Der Golf von Mexiko ist ein sehr großer Ozean“. Die Menge an Öl und Chemikalien, „die wir dort hineintun ist winzig im Vergleich zur gesamten Wassermenge.“, hieß es z.B. in einem Interview mit dem „Guardian“. Auch seine Teilnahme an einem Segelrennen mit seiner Privatyacht am 19. Juni sendete die falsche Signale für die Zeit. Daraufhin erreichte die öffentliche Meinung Ende Juni einer Wall Street Journal Umfrage zufolge ein neues Allzeittief. Nur 6% der amerikanischen Bevölkerung hatten noch eine positive Meinung von dem Unternehmen, welches sich damit fast in direkter Nachbarschaft zu Namen wie Saddam Hussein, Fidel Castro und Yasser Arafat befindet, die ihrerzeit respektive 3-4% Umfragenpopularität erreichten.

Angesichts all dieser Negativschlagzeilen wirkt der Versuch BP’s, mit gekauften Google Adwords-Anzeigen zu Begriffen wie „Ölpest“ und „Ölkatastrophe“ gegenzusteuern, geradezu hilflos. Unabhängig von der Frage also, ob BP wirklich für alle Kosten und Folgekosten der Ölkatastrophe aufkommt, (oder überhaupt aufkommen kann – schließlich weiß niemand, wieviel Geld BP wirklich im Tresor hat – ) wird sich das Unternehmen vom Imageschaden, den es sich mit diesem Desaster selbst zugefügt hat, wohl nie wieder erholen können.

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