Schwere Krise beim Energiekonzern RWE

117 Jahre, so lange existiert RWE bereits. Gegründet als Essener Stadtwerk gelang es dem Unternehmen schon in den ersten Jahren rasch zu einem überregionalen Energieversorger anzuwachsen.  Damals profitierte RWE vom Steinkohleabbau im Ruhrgebiet der es ermöglichte, dass man den Strom günstig anbieten konnte, da beispielsweise hohe Liefer- oder Zollkosten nicht einberechnet werden mussten.

Seit dem Jahrtausendwechsel ist das Unternehmen zu einem europaweit tätigen Großkonzern aufgestiegen. Doch nun kriselt es beim Energieriesen, Experten sprechen sogar von der schwersten Krise in der langen Geschichte des Unternehmens. EON hat es vor gemacht, nun denkt auch RWE an einem massiven Konzernumbau.

Konventionelle Sparte erzielt kaum noch Gewinne

Die RWE Aktie ist bereits seit einiger Zeit im Sinkflug, was die Anleger und entsprechend auch die Geschäftsführung des Essener Konzerns nervös macht. Grund ist unter anderem, dass durch die sinkenden Großhandelspreise an der Strombörse weniger Gewinne über die konventionellen Kohle-Gas- und Atomkraftwerke erzielt werden.

Laut RWE erwartet man bis 2017/2018 nur noch ein ausgeglichenes Ergebnis. Über Jahre hinweg setzte man in Essen auf genau diese Sparten und fuhr damit hohe Renditen ein, nun muss das Portfolio umgebaut werden, falls RWE nicht bald rote Zahlen schreiben will. Dazu kommen politische Veränderungen, wie die neuen Regelungen im Zuge des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), welches bald durch Ausschreibungsmodelle erweitert werden soll, sowie Beschlüsse wie der Atomausstieg oder die Debatten um die Kohleabgabe.

Aktienkurs auf Rekordtief

An der Börse sind RWEs Probleme gut sichtbar. So liegt der Aktienkurs des DAX-Konzerns nur noch bei 19 Euro, ein sattes Minus zum Jahr 2007 als der Kurs noch bei knapp 100 Euro lag. Dazu kommen Schulden in Höhe von 28 Milliarden Euro. RWE will deshalb und wegen den wegfallenden Einnahmen im Zuge der Energiewende sowie des Atomausstiegs die eigenen Kosten bis 2017 um zwei Milliarden Euro senken.

Die Anleger werden zunehmend unruhig und sogar einige Großaktionäre, wie der norwegische Staatsfond, drohen mit einem baldigen Ausstieg. Dabei hätte man diese Katastrophe durchaus kommen sehen können. RWE hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass man von erneuerbaren Energien nicht viel hält.

Noch 2014 lag der Anteil von erzeugtem Grünstrom durch RWE-Anlagen bei läppischen fünf Prozent. Dem entgegen erzeugten Stein- und Braunkohlekraftwerke noch die Hälfte des RWE Stroms. Zwar gründete der Konzern eine Grünstromsparte namens Innogy, diese konnte sich bislang allerdings noch nicht wirklich erfolgreich positionieren.

Energiewende verschlafen

Nun steht RWE-Chef Peter Terium vor einer Vielzahl an Problemen. Offensichtlich hat man die bisherige Energiewende verschlafen, was vor allem der Strategie von Ex-Vorstand Jürgen Großmann zu verdanken ist, der lange auf Kohle und Atom gesetzt hat. Dass diese Strategie geändert werden muss, weiß man in Essen mittlerweile auch, nur das „Wie“ ist noch nicht geklärt.

Nun berät der Aufsichtsrat über einen Umbau des Konzerns. Insbesondere die vielen Teilgesellschaften soll reduziert werden. RWE besitzt rund 100 Konzerntöchter, ein Drittel davon soll gebündelt beziehungsweise verschmolzen werden. RWE hofft durch die Reduzierung der Bürokratie im eigenen Haus flexibler auf die Anforderungen der Energiewende reagieren zu können. Künftig will man in Sachen erneuerbarer Energien offensichtlich stärker mitmischen.

Imagekampagne läuft bereits auf Hochtouren

Am grünen Image bastelt RWE schon eine Zeit lang. In der aktuellen Werbekampagne spielt man offensiv mit dem Wort „Energiewende“ und fordert die Verbraucher sogar dazu auf eigenen Grünstrom, etwa durch Photovoltaik, zu produzieren und sich die entsprechenden Anlagen von RWE einbauen zu lassen.

Ein Energieerzeuger, der seine eigene Kernkompetenz verrät, wirkt mehr als eigenartig. Dennoch sorgt der enorme Marktdruck, der durch die Energiewende entstanden ist, dafür, dass sogar die ehemals unantastbaren Energieriesen zu drastischen Maßnahmen greifen müssen. Einst beschäftigte RWE rund 150.000 Menschen, aktuell sind es noch knapp 60.000.

Dieser Rückgang spricht Bände und ist für das gesamte Ruhrgebiet eine Katastrophe. Nicht nur, dass der „Pott“ dadurch viele Arbeitsplätze verloren hat, durch die Beteiligungen vieler Ruhrgebietsstädte an RWE leiden auch die Stadtkassen von Bochum, Essen, Gelsenkirchen und Co.

Weitere betriebsbedingte Kündigungen können nicht ausgeschlossen werden

Auch wenn sich RWEs Chefetage bemüht den Flächenbrand zu löschen wurde betont, dass man weitere betriebsbedingte Kündigungen nicht ausschließen könne. Allein in der Kraftwerkssparte rechnet RWE mit einem Wegfall von weiteren 1000 Jobs.

Wie der Essener Konzern die Krise lösen möchte, wird der Aufsichtsrat wohl bald verkünden, denn die Zeit drängt. Wartet man weiter ab, wird vom einstigen Vorzeigeunternehmen nicht mehr viel übrig sein. Allein seit Fukushima hat RWE 19 Milliarden Euro an Börsenwert verloren und ist heute nur noch halb so viel Wert wie der ewige Konkurrent EON.

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