Hörgerätebatterien – Lebensdauer und Vergleich

Laut Statistik leidet jeder sechste in Deutschland unter einem Hörverlust. Doch selbst die besten Hörgeräte  bringen nicht den gewünschten Erfolg ohne eine zuverlässige Batterie. Damit die Tonübertragung qualitativ hochwertig ist, werden für Hörgeräte spezielle Batterien benötigt.

Sie in unterschiedlichen Ausführungen und von wenigen verschiedenen Herstellern zu erhalten. Dieser Ratgeber möchte Ihnen die wichtigsten Informationen zu den gängigen Hörgerätebatterien geben.

Was unterscheidet eine Hörgerätebatterie von einer herkömmlich Knopfzellenbatterie?

Hörgerätebatterien sind auf die speziellen Anforderungen von Hörgeräten ausgerichtet. Obwohl sie in der Bauform der Knopfzellenbatterie sehr ähnlich sind und zur Kategorie der Mikrobatterien gehören, haben sie eine ganz andere Leistungsanforderung. Im wesentlichen unterscheidet man folgende Batteriearten:

  • Quecksilber-Zink-Batterien

Bei diesem Batterietyp sorgt das Gemisch aus Zinkpulver und Quecksilberoxid für die Entstehung der Spannung. Sie zeichnet sich durch eine gleichbleibend hohe Spannung für die Dauer ihres Lebenszyklus aus, der aber rapide zusammenbricht sobald sich ihre Lebensdauer dem Ende nähert.

Sie verfügt über eine hohe Energiedichte und kann 5-10 Jahre gelagert werden, da ihr der Kontakt mit Sauerstoff nichts anhaben kann. Der größte Nachteil dieser Batterieart ist der große Quecksilbergehalt den sie nach Beendigung des Lebenszyklus noch hat. Eine ordnungsgemäße Entsorgung entleerter Batterien ist also unbedingt erforderlich.

  • Zink-Luft-Batterien

Zink-Luft-Batterein sind die umweltfreundlichere Weiterentwicklung der Quecksilber-Zink-Batterien und benötigen nur noch einen Quecksilber-Anteil von bis zu 3 %. Bei diesem Batterietyp entsteht die Spannung durch die Zink-Luft-Reaktion und ihre Spannungskapazität gleicht der der Quecksilber-Zink-Batterie. Der größte Vorteil dieses Batterietyps ist seine enorme Energiedichte, durch welche er über einen langen Zeitraum viel Energie speichern kann. Allerdings verlieren diese Batterien sehr schnell an ihrer Kapazität, sobald die Zinkoberfläche mit Luft in Kontakt kommt.

Daher werden die Pole der Zink-Luft-Batterien durch einen Schutzstreifen geschützt um ein vorzeitiges Entladen zu verhindern. Vor der Benutzung der Zink-Luft-Batterie muss der Schutzstreifen entfernt werden bevor diese in das Hörgerät eingelegt werden kann. Danach dauert es etwa 2 Minuten bis die Hörgerätebatterie aktiv ist und das Batteriefach zugemacht werden darf. Die Aktivierungszeit ist unbedingt einzuhalten, da sonst die Batterie Schaden nimmt.

Durch die Schutzfolie haben Zink-Luft-Batterien lediglich eine Selbstentladung von etwa 3 % im Laufe eines Jahres. Nichtsdestotrotz sind sie aufgrund dieser Selbstentladung nicht sehr lange lagerfähig und sollen daher immer schnell zum Einsatz kommen. Zink-Luft-Batterien wurden speziell für den Einsatz in Hörgeräten mit einer drahtlosen Signalübermittlung entwickelt, können aber auch in jedem anderen Hörgerät verwendet werden.

  • Wiederaufladbare Hörgerätebatterien (Akku)

Diese Variante ist eine Mikrobatterie, die mit Nickel-Metallhybrid-Akkumulatoren versehen ist. Da die modernen Hörgeräte aber immer kleiner werden, finden wiederaufladbare Batterien nur noch selten Verwendung. Größter Nachteil ist, dass sie häufig bereits nach kurzer Aktivität wieder aufgeladen werden müssen. Allerdings sind wiederaufladbare Batterien ausgesprochen umweltfreundlich, da sie  Schwermetalle wie Quecksilber, Cadmium oder Blei nicht mehr enthalten. Sie sind bis zu 500 mal wiederaufladbar und die Akkuleistung reicht im Regelfall für einen Tag aus.

Da das Hörgerät ganz einfach nur an ein Aufladegerät angeschlossen werden muss entfällt jegliches  Auswechseln von Batterien. Sollte das Hörgerät für längere Zeit nicht verwendet werden, empfiehlt es sich den Akku aus dem Hörgerät zu nehmen, da auch im ausgeschalteten Zustand ein schwacher Strom zirkuliert und eine Tiefenentladung verursachen könnte. Dies führt im schlimmsten Fall zu einem nicht mehr rückgängig zu machenden Leistungsnachlass des Akkus.

Welche Hörgerätebatterie-Arten gibt es?

Hörgerätebatterien werden nach Größe und Leistung unterschieden und in vier Varianten unterteilt, die durch Zahlen- und Farbcodes unterschieden werden. Diese zeigen die Stromkapazität der Batterie an und geben Aufschluss über deren Größe und Einsatzgebiet.

  • Batterie-Typ-A312 – Farbcode braun

Die Bezeichnung für diesen Batterietyp kann entweder p312 oder a312 sein.

Der Durchmesser beträgt 8 mm bei einer Höhe von gerade einmal 4 mm und die Kapazität dieses Batterietyps beträgt 180 mA/h. Er ist für Hörgeräte mit einem mittleren Stromverbrauch am besten geeignet.

  • Batterie-Typ-A10 – Farbcode gelb

Dieser Batterietyp ist die kleinste Hörgerätebatterie die es zu kaufen gibt. Sie hat einen Durchmesser von 6 mm und ist knapp 4 mm hoch. Allerdings fällt bei dieser Batterie die Kapazität geringer aus und liegt gerade einmal bei etwa 100 mA/h.

Dieser Hörgerätebatterie-Typ kann nur für bestimmte Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte (HdO) verwendet werden, da die Leistung nur für diese Art Hörgeräte ausreichend ist.

  • Batterie-Typ-A13 – Farbcode orange

Die Kapazität dieser Hörgerätebatterien liegt bei 310 mA/h und kann daher auch für die Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte verwendet werden, die eine höhere Leistungsaufnahme haben.

Sie haben einen Durchmesser von 8 mm und sind ebenfalls 5 mm hoch.

  • Batterie-Typ-A675 – Farbcode blau

Dieser Hörgerätebatterien Typ ist die größte Variante. Sie wird speziell für Hochleistungshörgeräte oder Cochlea-Implantate genutzt. Cochlea-Implantate übernehmen neben der Verstärkung der Töne auch die Funktion von dem geschädigten Innenohr und brauchen daher eine Batterie mit wesentlich größerer Leistung.

Der Durchmesser beträgt 12 mm und sie hat eine Höhe von 5 mm. Die Kapazität kann bei diesen Modellen bis zu 650 mA/h betragen.

Auf was muss bei der Aufbewahrung von Hörgerätebatterien geachtet werden?

Am besten sollten Hörgerätebatterien trocken, dunkel und bei einer Temperatur zwischen 10°C und 25 °C gelagert werden. Damit es in den Batterien  nicht zu einem Kurzschluss kommt und diese dann unwiderruflich beschädigt werden, sollte darauf geachtet werden, dass sie nicht mit metallischen Gegenständen wie zum Beispiel dem Schlüsselbund oder Geldmünzen in Berührung kommen.

Bei den besonders empfindlichen Zink-Luft-Batterien ist außerdem darauf zu schauen, dass die Schutzfolie auf den Polen unbeschädigt bleibt, da sonst in der Batterie eine chemische Reaktion stattfindet sobald Luft an diese gelangt und sie sich entladen würde. In diesem Zustand wäre sie dann unmöglich für das Hörgerät zu gebrauchen.

Über welchen Zeitraum kann eine Hörgerätebatterie verwendet werden?

Die Spannung bei Hörgeräten liegt üblicherweise bei 1,4 V. Wenn man davon ausgeht, dass ein Hörgerät in der Regel 16 Stunden am Tag getragen wird, reicht eine Batterie je nach Größe für sechs, sieben oder gar acht Tage. Dabei handelt es sich jedoch nur um einen Richtwert da die Tragedauer von der persönlichen Benutzung und Eigenheiten des jeweiligen Trägers abhängt.

Bevor eine Hörgerätebatterie leer wird gibt sie zur Warnung des Trägers einen Signalton ab. In Intervallen sind zwei kurze Pieptöne zu hören. Wird die Batterie dann nicht ausgewechselt schaltet sich das Hörgerät nach einiger Zeit selbstständig ab. Es ist empfehlenswert stets Ersatzbatterien mit sich zu führen um einen unvorhergesehenen Ausfall des Hörgerätes durch entleerte Batterien zu vermeiden.

Lesen Sie auch: Hörgerätebatterien Test und Vergleich

Welche Hersteller für Hörgerätebatterien gibt es?

Da auch die fortschrittlichste Digitaltechnik bei Hörsystemen ohne Hörgerätebatterien nicht funktionieren würde stellen diese Batterie-Arten eine wichtige Funktionskomponente dar. Obwohl es sich bei Hörgerätebatterien um ein Marktnische handelt hat der Wettkampf um die Marktposition unter der überschaubaren Zahl an Herstellern bereits begonnen. Zu den wichtigsten Herstellern gehören:

  • VARTA Microbattery GmbH mit Sitz in Ellwangen. Dieses Unternehmen blickt auf eine 125-jährige Firmengeschichte zurück und versteht sich als Anfüher neuer Technologien. Mit der Marke „power one“ wirbt VARTA für die längste Laufzeit von Zink-Luft-Batterien für Hörgeräte.
  • Rayovac präsentiert sich weltweit auf Platz eins beim Vertrieb von Batterien für Hörgeräte. Seine Knopfzelle wurde durch neues Design derart verändert, dass die Elektrokontakte verbessert wurden und eine gleichbleibend hohe Spannung erzielt worden ist.
  • ZeniPower verkauft seine Hörgerätebatterien in über 40 Ländern. Einen besonders großen Marktanteil soll das Unternehmen nach eigenen Angaben sowohl in Deutschland als auch Großbritannien haben. Das in China beheimatete Unternehmen hat ehrgeizige Pläne und möchte im Zink-Luft-Batterie-Geschäft expandieren um einen ähnlichen Marktanteil wie VARTA oder Rayovac zu erreichen.
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Autor: Peter Baumeister

Der Autor Peter Baumeister > Über 25 Jahre Berufserfahrung im Bereich Bauen und Elektroinstallationen verdienen es zu Papier gebracht zu werden. Dabei neue interessante Tools und Techniken für Handwerker zu testen ist meine Passion.
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