Harte Zeiten für die deutsche Solarbranche

Die deutsche Photovoltaik-Branche krankt seit einiger Zeit und bisher ist kaum Besserung in Sicht. So hat beispielsweise der Photovoltaik-Zellen Anbieter Hanwha Q Cells angekündigt seine Produktion von PV-Zellen am Stammsitz in Thalheim bei Bitterfeld-Wolfen abzuziehen.

Ein Schock für die Branche. Auch andere Unternehmen, wie etwa Soitec, welches sich aus der Konzentrator-Photovoltaik-Technologie Sparte zurückziehen will, mussten Einbußen hinnehmen. Die schlechte Situation des deutschen PV-Marktes bestätigten jüngst auch Zahlen der Bundesnetzagentur, die sich dem Photovoltaik-Zubau widmeten. Die Branche ist entsprechend verunsichert, einige vermuten bereits, dass die deutsche Solarindustrie bald aussterben wird.

Zubau an Solarmodulen weiterhin unter dem Zielwert

Die Daten der Bundesnetzagentur zeigen, dass sich der Zubau an Solarmodulen weiterhin auf niedrigem Niveau bewegt. Im Januar 2015 ist das Volumen zum Vorjahr sogar um etwa ein Drittel geschrumpft. Im Vergleich zum Dezember 2014 ist allerdings ein minimaler Aufwärtstrend von 20 Megawatt zusätzlich installierter Leistung zu erkennen.

Die anvisierten Ausbauziele der Bundesregierung sind allerdings in weiter Ferne. Der gewünschte Zubaukorridor liegt bei 2.400 bis 2.500 Megawatt im Jahr. 2014 waren es dagegen gerade einmal 1.900 Megawatt an neu installierter Leistung. Auch 2015 wird das Ausbauziel verfehlt werden, zumindest dann wenn der Trend sich so fortsetzt wie aktuell, denn im Januar dieses Jahres wurden gerade einmal 123 Megawatt zugebaut.

Abwärtstrend auch in der PV-Forschung spürbar

Saisonbedingt sind die Ausbauraten in den Sommermonaten etwas höher, allerdings ist es unwahrscheinlich, dass der Sommer den niedrigen Zubau an Solarleistung der Wintermonate vollständig ausgleichen kann. Sogar renommierte Forschungseinrichtungen wie das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) in Freiburg bekommen die schlechte Stimmung der Branche zu spüren.

So finden sich beispielsweise schwerer Praxispartner für die Forschungsprojekte, da die Unternehmen mehr damit beschäftigt sind, die Pleite zu vermeiden als sich in Forschungsprojekte einzubringen.

Deutschland hinkt dem Ausland hinterher

Die deutsche Photovoltaik-Krise scheint ein hausgemachtes Problem zu sein. Aus dem Ausland hört man nämlich um einiges optimistischere Töne. So schrieb der britische Economist vor kurzem beinahe euphorisch über die interessanten Investitionsmöglichkeiten im PV-Markt. Die gute Stimmung in Großbritannien ist sicher auch damit zu erklären, dass dort gerade ein kleiner Photovoltaik-Hype stattfindet.

Zuletzt verwies England, Deutschland auf den weltweit fünften Platz der meisten PV-Installationen. Platz eins ist weiterhin China, gefolgt von den USA und Japan. In den USA wird dafür auch kräftig investiert, zuletzt legte der Bundesstaat New York rund 750 Millionen Dollar für eine Neuansiedelung aus der PV-Branche auf dem Tisch.

EEG-Novelle als Ursache für die schlechte Lage in Deutschland

Einst war Deutschland das große Vorbild für den Solarausbau. Mit dem Erneuerbare – Energien – Gesetz wurden gerade hierzulande wesentliche Grundsteine für die Förderung der Solarenergie gelegt. Viele andere Länder kopierten die Regelungen um die eigene Solarbranche zu pushen.

Heute hat Deutschland dagegen Schwierigkeiten weiterhin Anschluss zu halten. Experten, wie Eicke Weber, Direktor des Fraunhofer ISE, sehen die Ursache für die schlechte Lage in der jüngsten EEG-Novelle. Als besonders fatale Entscheidungen nennt Weber dem Branchenmagazin „pv magazin“ beispielsweise, dass Freiflächen aus der Förderung genommen wurden und der Eigenverbrauch von Solarstrom einer Abgabe unterlegt wurde. Hier sieht er die konservativen Energiewendegegner im Bundestag als Treiber.

Er kritisiert vor allem, dass diese Entscheidungen dazu führen könnten, dass Deutschland im weltweiten Wettbewerb um den Solarmarkt völlig verdrängt wird und Staaten wie China, Japan oder den USA die Lorbeeren überlässt. Für ein industriell geprägtes Land wie Deutschland, welches vor allem vom Export lebt, wäre dies katastrophal. Eine ganze innovative Branche derart stiefmütterlich zu behandeln ist mehr als kritisch zu sehen. Ob die anberaumte kommende EEG-Novelle hier gegensteuert ist nur zu hoffen, denn mit einer derartigen Politik wird die Bundesregierung auch ihre eigenen PV-Ausbauziele nicht erreichen.

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Autor: Peter Baumeister

Der Autor Peter Baumeister > Über 25 Jahre Berufserfahrung im Bereich Bauen und Elektroinstallationen verdienen es zu Papier gebracht zu werden. Dabei neue interessante Tools und Techniken für Handwerker zu testen ist meine Passion.

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