Gibt es bald zwei deutsche Strompreiszonen? Die Nord-Süd-Stromtrasse und Seehofers Widerstand

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) stellt sich bisher vehement gegen den Bau neuer Stromleitungen von Nord- nach Süddeutschland. Laut der Argumentation des bayerischen Regierungschefs seien die Befürchtungen, dass ohne den Netzausbau flächendeckende Stromausfälle folgen, bisher nicht eingetroffen und so sollte man den großflächigen Netzausbau nochmals überdenken. Freunde macht sich Seehofer bisher nicht damit, so torpediert er nicht nur die Energiewende-Pläne von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) sondern verärgert auch seine süddeutschen Nachbarländer. Der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) reagierte bereits verärgert auf die Äußerungen Seehofers.

Untersteller will keine erneuten Debatten zur Atomkraft im Kontext der Versorgungssicherheit

So hat der baden-württembergische Umweltminister Untersteller bereits klar angedeutet, dass er keine erneuten Diskussionen über die Laufzeitverlängerungen von Atomkraftwerken im Kontext der Versorgungssicherheit führen werde. Zudem werde er nicht zusehen, wie Deutschland in eine Nord- und Südstrompreiszone geteilt wird. Mit harschen Worte unterstellte er Seehofer, dass dieser Politik gegen sein eigenes Land mache, sollte er weiterhin die Stromtrassen in Frage stellen. Ursprünglich waren zwei neue Trassen geplant, die Bayern mit erneuerbarem Strom aus dem Norden versorgen sollen. Die erste namens Suedlink soll von der Küste bis nach Grafenrheinfeld führen und rund 800 Kilometer lang werden, die zweite Trasse soll von Lauchstädt in Sachsen-Anhalt bis in die Nähe von Augsburg führen. Während Suedlink bisher weitgehend akzeptiert war, stellte sich Seehofer von Anfang an klar gegen die zweite Trasse. Schlimmste Konsequenz des seehofer’schen Widerstands wären zwei deutsche Strompreiszonen. „Kommen die Stromtrassen nach Bayern nicht, dann müssten die Länder im Norden sofort aufhören, neue Windkraftanlagen zu installieren.“ so Stephan Kohler, Chef der Deutschen Energie-Agentur. „Dann hätten wir einen gespaltenen Energiemarkt“, so Kohler weiter. „In Bayern wäre der Strom teurer als im Norden, wo Überfluss herrscht.“

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