Erneuerbare weltweit: Wo liegt die Energiezukunft Lateinamerikas?

Lateinamerika, also das Konglomerat aus Mittel- und Südamerika sowie der Karibik, befindet sich seit einiger Zeit im Aufschwung. Insbesondere die größeren Länder, wie etwa Brasilien, das schon heute die sechstgrößte Volkswirtschaft der Welt ist, befinden sich auf dem Weg zu Industriestaaten. Im Zuge dieser Entwicklung steigt allerdings auch der Ressourcenverbrauch, allen voran der an Energie. Sowohl Strom, Wärme als auch Mobilität werden immer essentieller. Der interamerikanischen Entwicklungsbank zufolge wird sich der Stromverbrauch in Lateinamerika bis 2050 verdoppelt haben. Auch der Verkehrssektor steht vor einem Umbruch, zumindest falls die lateinamerikanischen Nationen die im Rahmen der COP 19 Konferenz zugesagten Klimaschutzziele ernsthaft angehen möchten.

Enormes Potential zur erneuerbaren Energieversorgung

Die lateinamerikanischen Länder haben den großen Vorteil, dass beinahe jede erneuerbare Energiequelle in hoher Kapazität vorhanden ist. Insbesondere das ausbaufähige Potential der Solarenergie ist enorm und liegt mit beinahe 31.000 Terrawattstunden weit über dem prognostizierten Verbrauch von 3500 Terrawattstunden in 2050. Auch die anderen Energieträger haben hohe Potentiale. Rein theoretisch ist also die Solarkraft allein bereits in der Lage ganz Lateinamerika mit Strom zu versorgen, doch aufgrund der potentiellen Fluktuationen wäre dies sehr riskant. Deshalb ist die wahrscheinlichste Option wohl eine Kombi-Variante aus Wind, Wasser, Solar und mitunter Geothermie. Bisher nutzen die lateinamerikanischen Länder insbesondere die Wasserkraft schon sehr stark, allerdings gehen Studien davon aus, dass das Gesamtpotential nur zu 22 Prozent ausgeschöpft wird. 38 Prozent des Gesamtstrombedarfs deckt Lateinamerika aktuell durch Wasserkraft, 40 Prozent kommt aus Gaskraftwerken, dahinter folgen Kohle und Öl sowie die restlichen erneuerbaren Energien.

Chance auf saubere Infrastruktur

Durch den steigenden Energieverbrauch in den kommenden Jahren hat Lateinamerika nun die Chance, die eigene Energieinfrastruktur nachhaltiger zu gestalten ohne dabei die bereits bestehenden Anlagen abzuschalten. Das spart insbesondere die Kosten ein, die durch einen flächendeckenden Rückbau älterer Anlagen entstehen würden. Anders ist es beispielsweise in Europa, wo der Stromverbrauch nicht mehr ansteigt und der Umbau dementsprechend durch einen Austausch alter konventioneller mit neuen erneuerbaren Anlagen einhergehen muss, falls man den gesamten Energiemix mehr in Richtung der erneuerbaren Energien umgestalten will. Neben dem Stromsektor steht auch der lateinamerikanische Mobilitätssektor vor zukunftsweisenden Fragen. Immerhin geht etwa die Hälfte des fossilen Energieverbrauchs in Lateinamerika auf den Verkehrssektor zurück.

Verkehrsinfrastruktur basiert weitgehend auf fossilen Ressourcen

75 Prozent des Warenverkehrs in Lateinamerika findet mittels LKW statt. Hier besteht ein hohes Potential zur Umstellung auf die Schiene und Frachter, die zumeist eine wesentlich bessere Klimabilanz haben als LKW. Doch das lateinamerikanische Schienennetz siecht seit Jahren vor sich hin und wird nur wenig in standgehalten. Ein nachhaltigeres Verkehrssystem könnte ein erster Anreiz sein, dass Schienennetz wieder in Schwung zu bringen. Im öffentlichen Nahverkehr wird momentan auch noch sehr stark auf konventionelle Energien gesetzt. Insbesondere Busse und Taxis verkehren in den Ballungsgebieten, diese sind nicht selten sehr alt und dementsprechend klimaschädlich. Verkehrsexperten fordern deshalb die Umstellung des öffentlichen Personennahverkehrs auf Elektrofahrzeuge. Ob Lateinamerika den Umbruch schafft hängt wesentlich vom politischen Willen ab. Bisher ist dahingehend wenig passiert, doch bis 1. Oktober müssen die lateinamerikanischen Länder ihre im Rahmen der COP 19 zugesagten Klimaziele öffentlich verkünden, vielleicht beginnt damit ein Umdenken.

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