Erneuerbare weltweit: Umdenken in Marokko

Aus deutscher Energiewendeperspektive könnte man die afrikanischen Staaten beinahe beneiden. Immerhin haben viele Länder auf dem „schwarzen Kontinent“ keine Probleme mit der Sonneneinstrahlung, so wie es etwa in Deutschland der Fall ist. Eigentlich die perfekten Voraussetzungen für die flächendeckende Nutzung von Photovoltaikanlagen zur Stromerzeugung – sollte man denken. Doch in vielen afrikanischen Staaten sieht es anders aus. In Tunesien setzt man beispielsweise vorrangig auf Erdgas und auch das wirtschaftsstärkste afrikanische Land, Südafrika, bezieht rund 90 Prozent seiner Elektrizität aus fossilen Brennstoffen, allen voran Kohle. Auch Marokko bezieht momentan noch rund 94 Prozent des Strombedarfs aus fossiler Energie. Doch scheinbar hat die Regierung nun erkannt, welches Potential in der Nutzung erneuerbarer Energien stecken könnte.

Erstes Solarkraftwerk geht bald in Betrieb

Die marokkanische Regierung hat nun verkündet, die erneuerbaren Energien stärker zu forcieren. Allen voran soll die Solarenergie gepusht werden. Areal ist durchaus vorhanden um Freiflächenanlagen zu installieren, denn ein Großteil Marokkos liegt in der Wüste. Daher, dass die Solaranlagen in der Wüste sehr viel Sonneneinstrahlung abbekommen, soll die überschüssige Energie im Sand gespeichert werden und dann nachts eingesetzt werden. Die Technik der Sandspeicherung wurde am Solar-Institut in Jülich entwickelt und wird nun erstmals in größerem Maßstab angewandt.

580 Megawatt geplant

Insgesamt will man in Marokko Kapazitäten von 580 Megawatt in Form von Solaranlagen mit Sandspeicherung installieren. Nahe der Wüstenstadt Quarzazate soll das erste Kraftwerk bereits kommenden Monat in Betrieb gehen. Drei weitere Anlagen sollen folgen. Das Umdenken bei Marokkos Regierung kommt nicht von ungefähr sondern ist ökonomischen Zwängen geschuldet. Viele Bewohner des Wüstenstaats können sich die teure fossile Energie, die aus dem Ausland importiert wird, schlicht nicht leisten. Deshalb subventioniert der Staat die Energie seit einiger Zeit, was zu herben Einschnitten in den Staatshaushalt führt. Nun will man die Subventionierung der Importenergie stoppen und stattdessen den Ausbau der erneuerbaren Energien forcieren. Marokko ist damit Vorreiter in Afrika, womöglich fühlen sich auch andere Länder animiert und folgen diesem Beispiel.

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