Energiewende international: Erneuerbares Ödland in der Schweiz

Zumeist sticht die Schweiz positiv heraus, geht es um den Vergleich mit anderen europäischen Staaten. Der südliche Nachbar Deutschlands hat eine gut laufende Wirtschaft, ein hohes Lohnniveau und eine hohe Lebensqualität, sowohl auf dem Land als auch in den Städten. Doch eine aktuelle Studie zum europäischen Vergleich bei der Produktion von Solar- und Windstrom offenbart, dass gerade die Schweiz hierbei noch viel aufzuholen hat. Im Vergleich mit den direkten Nachbarstaaten landet die Schweiz auf dem letzten Rang und auch beim Vergleich mit allen 28 Staaten der Europäischen Union (EU) schneidet die Schweiz, mit dem viertletzten Rang, sehr dürftig ab. Doch woran liegt es, dass ein wirtschaftliches so starkes Land wie die Schweiz in diesem Bereich anderen Staaten um Jahre hinterher hinkt?

Windenergie bei beinahe Null

Sicher ist die Schweiz als Standort nicht unbedingt für die Windenergie prädestiniert, allerdings ist eine Produktion von gerade einmal zwölf Kilowattstunden pro Einwohner im Jahr 2014 extrem gering. Im Vergleich, Deutschland produzierte im selben Jahr 693 Kilowattstunden pro Einwohner, also mehr als 50 Mal so viel. Die Daten, die von der Schweizerischen Energiestiftung stammen, weisen für die Produktion von Photovoltaikstrom eine bessere Bilanz aus. Hier liegt die Schweiz, mit 104 Kilowattstunden pro Einwohner, zwar immer noch im unteren Drittel, produziert allerdings mehr PV-Strom als Frankreich, die Niederlande oder Österreich. Spitzenreiter ist auch in dieser Kategorie Deutschland mit einer Produktion von 432 Kilowattstunden pro Einwohner im Jahr 2014. In Summe produzierte Deutschland rund zehn Mal mehr Wind- und PV-Strom als die Schweiz bezogen auf das Jahr 2014.

Schweiz ist weit entfernt von europäischen Spitzenwerten

Doch nicht nur Deutschland bemüht sich um den Ausbau der erneuerbaren Energien. Dänemark konnte seine Kapazitäten in den letzten vier Jahr um 762 Kilowattstunden pro Einwohner erhöhen und liegt nun mit insgesamt 2165 Kilowattstunden pro Einwohner auf Platz Eins im europaweiten Vergleich. Ein Weckruf für die schweizerische Politik, sofern man den Anschluss nicht komplett verlieren will. Insbesondere was die Photovoltaik beziehungsweise Solarenergie generell betrifft hat die Schweiz ein hohes Potential. Durch die südliche Lage hat die Schweiz verhältnismäßig viele Sonnenstunden, weshalb sich die Solarenergie hier sehr gut eignet. Mit den vergangenen Programmen „Energie 200“ und „EnergieSchweiz“ hat die Schweiz ihre Ambitionen hinsichtlich einer Energiewende bereits deutlich gemacht und will deshalb auch zukünftig an den Zielen Versorgungssicherheit, Umwelt- Wirtschafts- und Sozialverträglichkeit festhalten. Konsequenterweise müsste sich die schweizerische Energiewirtschaft demnach von den bislang wesentlichen Energieträgern Erdöl, Erdgas und Uran verabschieden. Eine ausreichende Substitution mit Wasser- Wind- und Solarkraft ist allerdings nicht vollkommen sicher, weshalb dieser Schritt noch Zukunftsmusik ist. Positiv ist, dass die Schweiz durchaus an den Defiziten arbeitet und die Photovoltaik-Produktion pro Kopf seit 2010 um das zehnfach gesteigert hat.

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