Deutschland und die Braunkohle: Ein Drahtseilakt

Seit jeher existieren in Deutschland verschiedene Braunkohlereviere, die maßgeblich von der Wirtschaftskraft im Zuge des Braunkoheleabbaus und der Verwertung des Rohstoffs abhängig sind. Besonders bekannt ist das Braunkohlerevier in der Lausitz sowie die Gebiete in Mitteldeutschland rund um Leipzig und Halle.

Die jüngsten Ereignisse beim Energiekonzern Vattenfall treiben vielen Politikern in Brandenburg und Sachsen nun die Sorgenfalten ins Gesicht. Wie ist die Versorgungssicherheit, die Wirtschaftskraft und die Beschäftigung aufrecht zu erhalten, wenn die Braunkohle als wesentliche Triebkraft der regionalen Wirtschaft entfällt? Diese und andere Fragen stellen sich nun stärker denn je. Eines ist klar, die Braunkohle wird früher oder später verschwinden. 

Drei statt 52 Kohlekraftwerken in Deutschland

In keinem Land der Welt wird so viel Braunkohle abgebaut wie in Deutschland, ist einem aktuellen Bericht der österreichischen IG Windkraft zu entnehmen.  „Hätte Deutschland so strenge Emissionsvorgaben wie die USA, dürften von 52 Kohlekraftwerken nur mehr 3 betrieben werden“, meint Arne Jungjohann, Berater für Klima- und Energiepolitik.

Es ist ein Kuriosum das gerade das Land, welches die Energiewende als erstes stringent in Angriff genommen hat, sich von der Braunkohle nicht trennen kann. „Beides ist aber nicht unter einen Hut zu bringen“, so Jungjohann Ohne Eingreifen der Politik steht vor allem der dreckigen Braunkohle eine glänzende Zukunft bevor.“

Im Rahmen der aktuellen Neustrukturierungen bei Vattenfall kann es allerdings gut möglich sein, dass man sich auch in den Braunkohlegebieten allmählich vom dunklen Rohstoff verabschiedet.

Unabhängig davon, welcher neue Betreiber die Kraftwerke und Tagebauten von Vattenfall übernehmen könnte, ist der Umbau auf erneuerbare Energien für die Zukunftsfähigkeit der Regionen unabdingbar. Die Versorgungssicherheit ist ohne den Kohlestrom wohl auch nicht gefährdet, da die Anteile an erneuerbaren Strom permanent wachsen und Deutschland ohnehin Stromüberschüsse exportieren muss.

Die konventionellen Kraftwerke werden dadurch zunehmend unrentabel.  „Der deutsche Exportüberhang an Strom entspricht etwa dem halben Stromverbrauch Österreichs. Deutschland exportiert so viel Strom wie nie zuvor. Der Exportrekord ist derzeit der Rettungsanker für die deutschen Kohlekraftwerke“, meint Jungjohann und führt zudem an: „Der Stromverbrauch in Deutschland zwischen 2010 und 2013 hingegen, ist sogar um 15,5 Milliarden Kilowattstunden gesunken.“

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