Desertec: Die Vision lebt weiter

Die Vision „Desertec“ lebt weiter. Das Projekt, welches 2003 auf Initiative des Club of Rome und des Jordanischen Energieforschungszentrums in Form der Desertec Foundation (zuvor: TREC) ins Leben gerufen wurde gibt nicht auf. Und das, obwohl zuletzt beinahe das Aus drohte.

Das aus der Desertec Foundation heraus gegründete Industriekonsortium Dii GmbH, welche die Wirtschaftlichkeit und Rentabilität der Vision in den Regionen Europa, Naher Osten und Nordafrika prüfen sollte, löste sich 2014 auf. Viele Industrieunternehmen verließen das Netzwerk, darunter auch eine große Zahl deutscher Firmen.

Seit 2014 existiert daher nur ein verkleinerter Beraterstab weiter. Viele vermuteten, dass sich die verkleinerte Form nicht lange halten und das Projekt bald endgültig beendet wird. Doch so wie es nun scheint, könnte Desertec neuen Schub bekommen.

Roland Berger soll Desertec retten

Nachdem die Desertec Initiative ihre Industriepower weitgehend eingebüßt hatte, suchte man nach Möglichkeiten wieder neuen Schwung in die Vision zu bekommen. Die Suche endete bei Roland Berger, Gründer der bekannten Unternehmensberatung Roland Berger Strategy Consultants und Kuratoriumsvorsitzender der Desertec Foundation.

Der deutsche Unternehmer, welcher insbesondere durch seine Tätigkeit als Unternehmens- und Politikberater zu Reichtum und Bekanntheit gelangte, ist die neue Galionsfigur der Desertec Initiative. „Nicht in drei Jahren, aber in wenigen Jahrzehnten können wir in armen, aber sonnenreichen Regionen der Welt ein relativ hohes Wohlstandsniveau erreichen und Menschen müssen dann nicht mehr aus ihren Ländern fliehen“, so Berger über Desertec.

Neue Motivation

Damit übernimmt nun die Desertec Foundation wieder selbst das Ruder, nachdem die Dii GmbH weitgehend auseinander gebrochen ist. Die Desertec-Gründer versuchen sich daneben an einer Relativierung des Scheiterns von Dii und das obwohl hinter dem Industrienetzwerk Konzerne wie Munich Re, Siemens, RWE und die Deutsche Bank standen, welche nun nicht mehr Teil der Initiative sind.

Laut Desertec war Dii lediglich eine lokale Variante der umfassenderen Desertec Idee, weshalb deren Ende zu verkraften sei. Zudem habe Dii die Welt solartechnologisch kartografiert und Solarenergieprojekte im Umfang von 70 Gigawatt initiiert, was durchaus als Erfolg zu verzeichnen sei. Der Blick geht daher in die Zukunft. Für 2018 plant Desertec weltweit lokale Niederlassungen zu gründen um sich stärker dezentral zu positionieren.

Wüstenstrom schon heute rentabel

Die Desertec-Schöpfer sind sich sicher, dass die Vision früher oder später umgesetzt wird. Schon jetzt gäbe es eine rege Nachfrage, insbesondere durch die OPEC Staaten. „Wüstenstrom ist technisch machbar und wirtschaftlich attraktiv“, so die Worte von Desertec-Vorstand Andreas Huber. Tatsächlich verfolgt Desertec eine Vielzahl von Großprojekten, die zu wesentlich geringeren Stromkosten, insbesondere in sonnenreichen Staaten, führen könnten.

In Marokko wird momentan beispielsweise das größte Solarkraftwerk der Welt errichtet, welches in Zukunft rund 40 Prozent des marokkanischen Energiebedarfs decken soll. „Die Welt muss Wege finden, um ihre Wüstenenergie zu nutzen, statt sie zu blockieren“, appelliert auch Jonathan Walters, der ehemalige Direktor der Weltbank. Auch er konnte für Desertec begeistert werden und sieht darin eine große Chance. Seiner Meinung nach, mache es wesentlich mehr Sinn dort Solarenergie zu erzeugen, wo die Sonne auch oft scheint und das ist nicht Mitteleuropa, so Walters Standpunkt.

Berger unterzeichnet symbolischen Generationenvertrag

Roland Berger vertritt eine ähnliche Meinung wie Walters. „Aufstrebende Regionen brauchen dringend saubere und zuverlässige Energie als Grundlage für Wohlstand, Nahrungs- und Trinkwasserproduktion. Gleichzeitig können wir mit Stromimporten aus Wüstenregionen die Energiewende der reichen Welt beschleunigen“, so der Kuratoriumsvorsitzende von Desertec.

Dazu hat Berger zuletzt einen symbolischen Generationenvertrag mit Jugendlichen aus aller Welt im Montgelassaal im Bayerischen Hof unterzeichnet. Zusammengefasst verspricht Berger darin alles zu tun damit Desertec Realität werde. Im Gegenzug versprechen die Jugendlichen, die Idee in ihren Heimatländern zu verbreiten. „Wir haben heute schon 30.000 Kinder, die Vorträge halten zum Bäume pflanzen. Und die Jugendlichen werden sich ab sofort auch für Wüstenstrom stark machen.

Wir haben bereits einen funktionierenden Fusionsreaktor, der zuverlässig arbeitet und in sicherem Abstand zu uns ist: Die Sonne. Sie stellt bekanntlich keine Rechnung und wenn die auf die Gesellschaft abgewälzten Kosten berücksichtigt werden, ist erneuerbare Energie mit Abstand die günstigste Lösung. Um unser Überleben und allen Menschen im Jahr 2050 sauberen Wohlstand zu ermöglichen, müssen aber täglich 4 GW saubere Kraftwerke ans Netz“, so die Worte von Felix Finkbeiner, der als einer der Jugendlichen stellvertretend den Vertrag für seine Altersgenossen unterzeichnete.

Auch wenn die Dii GmbH nicht mehr existiert, sind die Desertec-Visionäre weiterhin voller Enthusiasmus. Und das nicht zu Unrecht, wenn man bedenkt wer bereits mobilisiert werden konnte und was an konkreten Projekten bereits stattgefunden hat.

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Autor: Peter Baumeister

Der Autor Peter Baumeister > Über 25 Jahre Berufserfahrung im Bereich Bauen und Elektroinstallationen verdienen es zu Papier gebracht zu werden. Dabei neue interessante Tools und Techniken für Handwerker zu testen ist meine Passion.

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