Castor-Transport – Proteste eskalieren

Waren gestern in Dannenberg noch Zehntausende Atomkraftgegner zusammen gekommen, um friedlich gegen die Atompolitik der Regierung zu demonstrieren, spitzte sich die Lage heute erheblich zu.

Mit Beginn der Dämmerung formieren sich auch die Demonstranten rund um Dannenberg, die ihren Plan den Castor-Transport zu „schottern“, also die Steine aus dem Gleisbett zu entfernen, um so den Castor-Transport an der Weiterfahrt zu hindern, in die Tat umsetzen wollen. Mit der sogenannten „Fünf-Finger-Taktik“ versuchen tausende Demonstranten in insgesamt 5 Gruppen auf breiter Linie an der Polizei vorbeizukommen, die die Gleise sichert. Zunächst sieht es gut aus für die Demonstranten, insgesamt scheinen sich nur verhältnismäßig wenig Polizeibeamte vor Ort zu befinden. Doch der Schein trügt, innerhalb kürzester Zeit kommen immer mehr Einsatzkräfte der Polizei. Plötzlich sieht man überall Reiterstaffeln, Einheiten mit Hunden durchkämmen die Wälder, Räumfahrzeuge und Wasserwerfer sind im Einsatz, am Himmel kreisen mehrere Polizeihubschrauber.

Nichts ist mehr von der noch vorwiegend friedlichen Stimmung des Vortages zu spüren. Die Szenerie erinnert eher schon fast an bürgerkriegsähnliche Zustände. Die Polizei geht mit Schlagstöcken, Reizgas und Wasserwerfern gegen die Demonstranten vor, die sich an den Schienen zu schaffen machen. Das „Schottern“ ist gesetzeswidrig und es wurden bereits im Vorfeld von der Polizei entsprechende Maßnahmen angekündigt, um diese Aktion zu verhindern. Auch die Demonstranten setzen Reizgas gegen Polizeibeamte ein, an mehreren Stellen kommt es zu Übergriffen auf Polizeibeamte. Außerdem soll Signalmunition gegen die Beamten eingesetzt worden sein. In Leitstade überschütteten Demonstranten sogar ein Räumfahrzeug der Polizei mit einer brennbaren Flüssigkeit und zündeten diese an. Eine lebensgefährliche Situation für die Insassen des Fahrzeugs, die glücklicherweise glimpflich ausging.

An mehreren Stellen musste der Castor-Transport stoppen, weil Demonstranten die Gleise blockierten, sodass die Transporte jetzt bereits über 10 Stunden Verspätung haben. Momentan wird davon ausgegangen, dass der Transport am Montag in Gorleben ankommt.

Aktuell hat sich die Situation etwas entschärft, wahrscheinlich auch weil Wolfgang Ehmke, Sprecher der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg noch einmal dazu aufrief friedlich zu demonstrieren. Sowohl Demonstranten als auch Polizeibeamte sollten sich nicht provozieren lassen und von Gewalt absehen. Dennoch dürfte allen Beteiligten rund um Dannenberg eine heiße Nacht bevorstehen.

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