Bereit zur Abschaltung – AKW Grafenrheinfeld geht in die letzte Betriebswoche

Der Atomausstieg zieht seine Runden und immer mehr Atommeiler fallen diesem zum Opfer. Im unterfränkischen Grafenrheinfeld wird am kommenden Wochenende der nächste Meiler abgeschaltet. Das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld, kurz KKG, soll am 27. Juni stillgelegt werden. Direkt im Anschluss soll damit begonnen werden die Kühltürme zu demontieren. Damit endet die 33-jährige Historie des am linken Mainufer gelegenen Kraftwerks, welches am 9. Dezember 1981 durch die damalige Bayernwerk AG in Betrieb genommen wurde. Heute gehört das Kraftwerk zu E.ON, weshalb die Stilllegung aus Betreibersicht wohl verkraftbar ist, da E.ON sowieso eine Umstrukturierung in Richtung erneuerbarer Energien plant. Größere Wellen schlug die bevorstehende Stilllegung ohnehin eher bei Politik und Bevölkerung. Denn es wurde befürchtet, dass es ohne den Atommeiler zu Stromengpässen kommen könnte.

Keine Gefahr für die Versorgungssicherheit

Aktuell ist man sich recht sicher, dass auch nach Abschaltung des KKG noch Strom fließen wird. „Die Versorgungssicherheit in Bayern ist durch die Abschaltung von Grafenrheinfeld in keiner Weise bedroht“, meinte beispielsweise die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU). Trotzdem geht ein Riese vom Netz. Mit einer Bruttoleistung von 1345 Megawatt ist Grafenrheinfeld immerhin Platz Neun auf der Liste der leistungsfähigsten deutschen Kernreaktoren, welche insgesamt 36 Stück erfasst. Ein Großteil der weniger leistungsfähigen Reaktoren ist allerdings schon seit geraumer Zeit stillgelegt. Momentan sind nur noch neun Meiler in Betrieb, alle mit Baujahren in den 1980ern. Das KKG ist das älteste der übrig gebliebenen, weswegen es nun weichen muss. Die bayerische Politik ist sich sicher, dass die wegfallende Leistung durch erneuerbare Energien und die übrigen konventionellen Kapazitäten abgedeckt werden kann.

Stromimporte werden immer notwendiger

Viele Experten sehen allerdings auch weniger die Versorgungssicherheit als die Netzstabilität durch die Stilllegung gefährdet. Doch auch hier meint Aigner, dass „umfangreiche technische Maßnahmen“ vorgenommen worden. Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft kritisiert hingegen die Ziellosigkeit der Energiewende in Bayern und appelliert insbesondere an die Politik. „Ein umfassender Energiewende-Plan ist überfällig.“, meint Brossardt. Er befürchtet, dass Bayern durch die allmähliche Abschaltung konventioneller Energie immer abhängiger von Stromimporten wird. Insbesondere auch vom Import aus dem Ausland – etwa aus Österreich. Die Tendenzen geben ihm bislang recht, denn nach der Abschaltung von Isar I und Grafenrheinfeld verliert Bayern einen großen Teil der eigenen Stromerzeugung – allein ein Sechstel des bayerischen Stroms wurden durch das KKG erzeugt. Die Meiler Grundremmingen B und C sowie Isar II sollen bis 2022 alle stillgelegt werden.

Netzstabilität gefährdet

Unter den Stilllegungen leidet auch die Netzstabilität, denn das südliche Bundesland benötigt auch Strom aus dem Norden um die Fehlkapazitäten zu decken. Dafür der großangelegt Netzausbau, der allerdings noch längst nicht abgeschlossen ist. Die künftige Nord-Süd Trasse muss schließlich hohe Mengen an Strom transportieren, was zur Überlastung des Netzes führen kann. Immer wieder müssen daher schon heute Übertragungsnetze gedrosselt werden um die Stabilität zu sichern.  Die Drosselungen, auch „redispatch“ genannt, müssen dann durch Stromimporte aus dem Ausland oder Reservekapazitäten abgedeckt werden. Der im Norden verfügbare Strom, der allerdings nicht in den Süden transportiert werden kann, um die Netze nicht zu überlasten bleibt unverbraucht und kostet den Steuerzahler schon jetzt jährlich Milliarden. „Damit die Versorgungssicherheit nach 2022 gewährleistet werden kann, ist außerdem der Netzausbau auf allen Spannungsebenen nötig“, fordert Brossardt. Um die Energiewende zum flächendeckenden Erfolgt ist daher nach wie vor ein Gesamtkonzept notwendig.

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Autor: Peter Baumeister

Der Autor Peter Baumeister > Über 25 Jahre Berufserfahrung im Bereich Bauen und Elektroinstallationen verdienen es zu Papier gebracht zu werden. Dabei neue interessante Tools und Techniken für Handwerker zu testen ist meine Passion.

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