Atomkraft ja und nein

Wenn man die weltweite Atompolitik seit dem Reaktorunglück im japanischen Fukushima vor zwei Jahren betrachtet, dann könnten die Lager nicht gespaltener sein. Auf der einen Seite hat die Katastrophe viele Länder wachgerüttelt. Gerade in Europa haben seitdem bereits mehrere Staaten beschlossen, endgültig aus der Atomkraft auszutreten, so zum Beispiel Deutschland, Belgien oder die Schweiz. Auch in Japan selbst schien es lange Zeit so, als sitze der Schock so tief, dass man die übrigen abgeschalteten Reaktoren des Landes für immer vom Netz lassen werde. Die neue Regierung hat nun allerdings andere Pläne.

Auf der anderen Seite scheint es in manchen Ländern inzwischen so, als wäre Fukushima nie passiert. Die USA, Frankreich oder Großbritannien halten weiterhin an ihren Plänen zum Bau neuer Atomkraftwerke fest und denken noch lange nicht daran, aus der Atomkraft auszusteigen. Auch in China ist ein Leben ohne die Kernkraft nicht vorstellbar. Erst vor kurzem wurde hier das erste Atomkraftwerk seit der Katastrophe in Fukushima in Betrieb genommen. In der Volksrepublik hatte es nach dem Unglück einen 20monatigen Baustopp aller Projekte gegeben. Mit dem neuen Reaktor hat China nun allerdings insgesamt 16 aktive Meiler.

Es gibt sogar Staaten, die nun erst so richtig loszulegen scheinen. Ein Beispiel: die Türkei. Noch gibt es hier keine Atomkraftwerke, doch das soll sich bald ändern. Bis zum Jahr 2019 will die Türkei im Süden des Landes, an der Mittelmeerküste, ein Kernkraftwerk errichten. Bauen soll die Anlage der russische Rosatom Konzern. Doch auch andere ausländische Firmen sollen beim Aufbau helfen. Gespräche gab es bereits mit Unternehmen aus Kanada, Japan und China. Deutsche Investoren werden sich wahrscheinlich aus den Plänen heraushalten. Die Energiekonzerne Eon und RWE hatten sich erst im vergangenen Jahr aus den Bauplänen für ein Atomkraftwerk in Großbritannien zurückgezogen.

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